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"One Night Only" ist die Romcom, die wir gerade brauchen

Faschismus, Sexverbot und grosse Gefühle: "One Night Only" ist gleichzeitig politische Satire und verdammt gute Romcom. Wie kann das funktionieren?

Eine stärkere Filmprämisse gab es lange nicht: In den USA hat die faschistische Regierung Sex vor der Ehe verboten. Nur in einer einzigen Nacht im Jahr dürfen Singles mit anderen Singles schlafen. Für die meisten bedeutet das: innerhalb von zwölf Stunden möglichst viel Sex haben. Allie (Monica Barbaro) und Owen (Callum Turner, neuerdings Ehemann von Dua Lipa!) haben ausgerechnet in dieser Nacht etwas anderes vor: Sie machen sich auf die Suche nach der grossen Liebe.

Klingt lachhaft? Moment!

«One Night Only» ist die Romcom, die wir gerade brauchen. Schliesslich haben wir mit all den politischen Horrorfilmen, Dokumentationen und – traurigerweise vor allem Nachrichtensendungen – schon genug gelitten in letzter Zeit. Wir brauchen nicht noch mehr Filme, die uns zeigen, wie schrecklich die Welt ist. Wobei: Doch, natürlich brauchen wir genau das. Aber vielleicht hübscher verpackt?

Humor ist womöglich eine der wenigen Arten, auf die politische Botschaften noch zu uns durchdringen. Und genau darin liegt das Kunststück dieses Films: Man kann «One Night Only» als ziemlich böse Satire auf die Gegenwart lesen – oder einfach als sehr gute Liebeskomödie. Beides funktioniert. Noch erstaunlicher: Es funktioniert gleichzeitig.

Willkommen in der Dystopie

Die Erwachsenen in dieser Version der USA tragen implantierte Tracking-Chips. Bei Singles leuchtet die Markierung rot; während der erlaubten «One Night» wechselt sie auf Grün. Die Chips registrieren neurochemische Aktivität und dienen damit der Überwachung des Sexverbots. Der Staat weiss also sehr genau, was seine Bürger:innen in ihren Schlafzimmern treiben.

Das Erschreckendste daran ist allerdings nicht die Technologie. Es ist die Tatsache, dass sich kaum jemand besonders darüber zu beschweren scheint.

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"Wie schnell gewöhnen wir uns an Dinge, die kurz zuvor noch vollkommen unvorstellbar gewesen wären?"

Die Menschen haben sich arrangiert. Sie gehen arbeiten, trinken, flirten, schauen fern, kaufen ein. Sie leben ihr Leben weiter in einem Staat, der ihnen eine der intimsten Freiheiten genommen hat. An Häuserwänden steht zwar «Repeal the Mandate», irgendwo in der Ferne regt sich also Widerstand.

Aber für die meisten ist das System offenbar längst Alltag geworden. Und vielleicht ist das die politische Pointe des Films, die einem am meisten nachgeht: Wie schnell gewöhnen wir uns an Dinge, die kurz zuvor noch vollkommen unvorstellbar gewesen wären?

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Es ist offensichtlich, dass Regisseur Will Gluck einen Kommentar auf die gegenwärtigen USA geschaffen hat. Und das funktioniert so gut, weil «One Night Only» nicht ständig mit dem Finger auf seine politische Botschaft zeigt. Die steckt stattdessen in Werbespots, vermeintlich beiläufigen Sätzen von Fernsehmoderator:innen, Graffiti, absurden Regeln und Radiojingles. In einer Welt, die fast genauso aussieht wie unsere – nur ein kleines bisschen weitergedreht. Aber ehrlich gesagt braucht es gar nicht mehr so viel gedankliches Stretching, um von unserer Realität zu der von Allie und Owen zu gelangen.

Wenn Freiheit zum Konsumprodukt wird

Besonders grossartig wird der Film dort, wo sich Faschismus und Kapitalismus die Hand reichen. Denn natürlich hat die Regierung aus den zwölf Stunden Freiheit ein gigantisches Konsumevent gemacht. Die ganze Stadt fiebert der «One Night» entgegen.

Es gibt Partys, Werbung, Angebote und einen kompletten Wirtschaftszweig rund um den staatlich genehmigten Sex. Und Kondome werden zum Luxusgut: Ausgerechnet in jener Nacht, in der Sex erlaubt und Safer Sex per Gesetz vorgeschrieben ist, werden sie zu Wucherpreisen verkauft.

"Man lacht über die Absurdität und erschrickt im nächsten Moment darüber, wie vertraut sie sich anfühlt"

Erst nimmt der Staat den Menschen ihre Freiheit, dann gibt er ihnen zwölf Stunden davon zurück – und verdient daran noch ordentlich Geld. Man lacht über die Absurdität und erschrickt im nächsten Moment darüber, wie vertraut sie sich anfühlt, wenn man derzeit die USA betrachtet.

Eine der besten Ideen sind Allies Werbejingles. Sie verdient ihr Geld damit, Songs in eingängige Reklame zu verwandeln und schmuggelt darin immer wieder kleine politische Botschaften. Eigentlich macht Allie damit genau das, was «One Night Only» selbst tut: Das Bedrohliche so unterhaltsam aufbereiten, dass einem erst beim Lachen auffällt, wie düster es eigentlich ist.

An politischen Pointen spart der Film jedenfalls nicht. Da erklärt ein rechter Fernsehkommentator, Typ Tucker Carlson, sinngemäss, die Amerikaner:innen könnten doch dankbar sein, dass ihnen überhaupt diese eine Nacht gewährt werde. Anderswo sei es schliesslich noch schlimmer. Später wirbt ausgerechnet Kuba damit, dass dort kein entsprechendes Sexverbot gilt. Die USA als Land, aus dem man für die Freiheit nach Kuba fliehen möchte: Das sitzt.

Und dann verlieben sie sich auch noch

Und trotzdem, und jetzt kommt der eigentlich verrückte Teil, ist «One Night Only» wirklich romantisch.

Nicht ironisch-romantisch. Nicht «wir dekonstruieren jetzt die Romcom»-romantisch. Sondern aufrichtig und herzerwärmend. Das dürfte eigentlich nicht funktionieren. Wie soll ein Film von Faschismus, staatliche Kontrolle menschlicher Körper, Überwachung und der Kommerzialisierung von Freiheit erzählen und uns gleichzeitig dazu bringen, unbedingt zu wollen, dass sich zwei schöne Menschen küssen?

"In diesem gigantischen staatlich organisierten Spektakel suchen zwei Menschen nach etwas, das sich weder verordnen noch tracken lässt"

Monica Barbaro und Callum Turner haben eine Chemie, die sich nicht anders als «elektrisierend» beschreiben lässt. Sie streiten, necken sich, reden sich um Kopf und Kragen und kommen sich auf dieser absurden Odyssee durch New York immer näher. Ihre Dialoge sind schnell, klug und vor allem tatsächlich lustig.

Dazu kommt ein fantastischer Soundtrack. New York leuchtet, die Musik treibt die beiden durch die Nacht, überall herrscht sexuelle Hysterie und mitten in diesem gigantischen staatlich organisierten Spektakel suchen zwei Menschen nicht nach möglichst viel Sex, sondern nach etwas, das sich weder verordnen noch tracken lässt: Nach echter Nähe. Vielleicht ist genau das die schönste Pointe des Films.

Der Film ist politisch, ohne sich wie eine politische Lektion anzufühlen, zärtlich, ohne kitschig zu werden, sexy, ohne plump zu sein – und sehr, sehr lustig. Es ist wirklich überraschend, dass diese Balance funktioniert.

Vielleicht, weil der Film verstanden hat, was wir gerade brauchen: Wir wollen nicht noch zwei Stunden lang verzweifeln. Aber wir wollen auch nicht so tun, als wäre alles in Ordnung.

Das eigentlich Unheimliche ist, wie gut wir uns als Zuschauer:innen in dieser Welt einrichten. Wir lachen über die Propaganda, wippen zum Soundtrack und fiebern mit Allie und Owen mit. Und merken dabei kaum, dass wir genau das tun, was die Menschen im Film auch tun: Auch wir gewöhnen uns derzeit erstaunlich schnell an Zustände, die uns vor Kurzem noch dystopisch erschienen wären. Bis sie irgendwann einfach nur noch Kulisse sind.

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Torus83

Hallo liebes Annabelle Team,

Sehr gerne möchte ich einen Kommentar unter ihrer Rezension hinterlassen.
Habe den Film gestern im Sneak gesehen und war so gar nicht vorbereitet.
Aber nach dem jetzt 12 Stunden vergangen sind wage ich mich zu einer ganz kurzen Einschätzung.

Erstmal danke für die eigene Einschätzung.

Meiner Meinung nach spiegelt der Film nahezu erschreckend perfekt den Zuschauer wider, der in seiner Blase sitzt und denkt, die schwersten Probleme sind seine Steuererklärung während die Welt vor die Hunde geht.

Genau wie Protagonisten in dem Film sind die zu Schablonen und Fassaden von allem menschlichen geworden das konsumiert und einer Masse folgt um an die einfachen Wahrheiten dieser neuen schönen Welt zu glauben.

Sorry, aber der Film macht genau das was wir alle machen, die Welt geht unter, aber schau mal hier, lustige Katzenbabys.

Jede Idee den Film einfach nur zu genießen und zu lachen wirkt grotesk.

Als gnadenloses Spiegelbild und Gesellschaftskritik viel zu weichgespült und vorhersehbar, prüde und irgendwie leer.

Eine erzählte Geschichte wie man sie schon tausendmal gesehen hat, vielleicht sogar von der jetzigen Regierung unterstützt damit alle ihre Unfreiheit im Kino schon einmal schmecken können, aber bitte ganz ohne Gegenwehr und Rebellion.

So wie die beiden verliebten hier.

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