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Es ist Oktober! Was wir diesen Monat nicht verpassen dürfen

Es ist Oktober! Was wir diesen Monat nicht verpassen dürfen

Welche Ausstellung und Lesung muss man besucht, welches Theaterstück gesehen und wo gegessen und achtsam geatmet haben? Monat für Monat gibt unser Team Kultur- und Veranstaltungstipps. Dieses Mal mit Lifestyle Editor Linda Leitner.

Kunst

Im Mai war ich wegen Harry Styles in Amsterdam – Tourauftakt. Dieser Mann ist schliesslich Kunst. Ausserdem fragt der sich oft, was es heute bedeutet, ein Mann zu sein. Ultrakurze Shorts zu tragen, würden Harry und ich sagen. Stunden vor der Show wandelte ich durchs Stedelijk Museum Amsterdam, wo Kuratorin Melanie Bühler mit der Austellung «Beyond the Manosphere. Masculinities Today» genau diese Frage nach Männlichkeit verhandelte.

Mit dem Aufkommen der sogenannten «Manosphere» – einem Geflecht aus Online-Räumen, Communities und Plattformen, in denen misogyne Vorstellungen von Männlichkeit propagiert werden – ist das schliesslich dringlich geworden.

Ab dem 3. Oktober ist die Ausstellung nun in leicht veränderter Form im Kunstmuseum St.Gallen zu sehen. Sie nimmt den Begriff der Manosphäre wörtlich und liest ihn gegen den Strich: Wenn wir uns Männlichkeit als «Sphäre» vorstellen würden, was würden wir darin antreffen? Die Ausstellung zeigt Positionen von 35 Künstler*innen aus den Sammlungen des Stedelijk Museum Amsterdam und des Kunstmuseums St.Gallen sowie Leihgaben und neue Auftragsarbeiten.

Lust auf was Witzigeres? Wer noch nicht da war, sollte schnell nach Winterthur pilgern. Noch bis Anfang Dezember feiert die Austellung «Andri Pol – Poliversum» in der Fotostiftung Schweiz das Werk einer:eines der prägendsten Schweizer Fotojournalist:innen der letzten Jahrzehnte.

Seit den späten 1980er-Jahren hat Andri Pol mit seinen Bildern und Bildkolumnen Publikationen wie Das Magazin, das Zeit Magazin oder den Stern visuell mitgestaltet. Die grosse Retrospektive in der Fotostiftung Schweiz zeigt sein vielseitiges Schaffen aus Fotoreportagen, Porträts und Alltagsbeobachtungen – immer mit viel Tiefgang, feinem Bildwitz und einem ausgeprägten Gespür für das Besondere im Alltäglichen. Mal scharfsinnig, mal augenzwinkernd.

Der Brasilianer Roberto Burle Marx, ein Hauptvertreter des Modernismo tropical und bekannt als «Erfinder des tropischen Gartens», behandelte Gärten nicht als Beiwerk zur Architektur, sondern als Kunstwerke an sich. Die Ausstellung «Roberto Burle Marx. Modernismo tropical» im Zentrum Paul Klee in Bern widmet sich nun ab dem 17. Oktober dem Erneuerer der Landschaftsarchitektur der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Als Maler, Grafiker, Bildhauer, Schmuckdesigner, Bühnen- und Kostümdesigner übertrug er die Gestaltungsprinzipien aus der Malerei und der Musik auf die Natur, schuf Pläne wie abstrakte Gemälde und integrierte Skulpturen in seine Landschaftsprojekte.

Die Ausstellung «Read These Leaves» der polnisch-amerikanische Künstlerin Maria Kozak, die noch bis 14. November in der Zürcher Fabienne Levy Gallery zu sehen ist, trägt den Titel einer ihrer Lieblingspassagen aus Walt Whitmans «Leaves of Grass». Die Blätter in Whitmans Gedicht stehen für die Seiten eines Buches. Er fordert dazu auf, Dinge, die wir fraglos als gegeben angenommen haben, neu zu hinterfragen.

Für Kozak verweist der Titel gleichzeitig auf das Lesen von Teeblättern – eine Praxis, die darauf basiert, in Mehrdeutigkeiten Muster zu erkennen. Auch in Kozaks Gemälde tauchen Figuren, Tiere, botanische Formen und Landschaften aus Gesten und Farbschichten auf, bevor sie wieder mit diesen verschmelzen. Die Künstlerin tritt in einen Dialog mit dem Material und Malen wird so ebenso zu einem Akt des Lesens wie des Schaffens.

Audio

Wie ein Orgasmus überrollt einen am 18. Oktober ein kollektives und gleichzeitig intimes Hörerlebnis im Bistro Alte Kaserne in Winterthur. Serviert werden Getränke und Kopfhörer. Sex sells und ist omnipräsent, aber ehrliche, offene Gespräche darüber? Fast allen fehlen die Worte, um zu beschreiben, was in ihnen vorgeht, wenn sie Sex haben.

Anna Papst und Mats Staub haben sich in ihrem ersten gemeinsamen Projekt «Intime Revolution» auf die Suche nach Menschen gemacht, die es dennoch versuchen. Sie alle mussten oder wollten im Laufe ihres Lebens Sexualität neu und bewusst lernen.

Jede:r Besucher:in kann sich aus einer Vielzahl von Stimmen und Erzählungen nach eigenem Geschmack ein auditives Mehr-­Gänge-Menü zusammenstellen: Lieber der Rentnerin zuhören, die während 25 Ehejahren keinen Spass an Sex hatte und jetzt «anständig ausschweifend» lebt? Oder dem schwulen jungen Mann, der sich nach jahrelangem schnellen Sex die Frage stellt: Wie will ich eigentlich berührt werden? Tickets gibts hier.

Literatur

Das Buchfestival «Zürich liest» präsentiert vom 20. bis 25. Oktober einen vielfältigen Katalog an Programmpunkten rund um das Fokusthema «Schwindel». Schwindel as in: Zustand des Taumelns angesichts des aktuellen Weltgeschehens, aber auch als Täuschung, als Lüge, als allgegenwärtige Frage: Was ist wahr?

262 Veranstaltungen schwindeln sich also durch 123 Orte – unter anderem ins Debattierhaus Karl der Grosse: In ihrem Podcast «Feuer & Brot» analysieren die Autorin Alice Hasters und Sprecherin Maximiliane Häcke politische, popkulturelle und persönliche Themen in lockerer Atmosphäre. Während «Zürich liest» sprechen die beiden am 24. Oktober über Alice Hasters' neues Buch «Anti Opfer» und darüber, warum wir Verletzlichkeit verachten. Mehr Programm gibts hier.

Yo! Die Zürcher Lesereihe «Zwischen Demut und Grössenwahn» von Okan Yilmaz beleuchtet die Poetik des Deutschrap als literarisches, kulturelles und politisches Phänomen. Am 25. Oktober wird die grosse Prof. Dr. Reyhan Şahin aka Lady Bitch Ray im Debattierhaus Karl der Grosse zu Gast sein, die das F-Wort bereits Mitte der Nullerjahre reclaimte und somit lange vor der Sichtbarkeit queerfeministischer Perspektiven im Rap sexpositive Inhalte auf die Bühne brachte.

Sie prägt den Deutschrap bis heute, ohne sie gäbe es wohl weder Ikkimel noch Shirin David. Ausserdem veröffentlichte Şahin drei Bücher und promovierte 2021 zum Bedeutungssystem des muslimischen Kopftuchs in Deutschland. Tickets gibts hier.

En Guete! Was esst ihr am liebsten? Bringt das doch gerne am 15. Oktober mit ins Literaturhaus Zürich, da wird das Debattierzimmer nämlich zum gemeinsamen Mittagstisch. Seit 2023 sammelt «Archiv der vollen Bäuche» alltägliche Essenserinnerungen und kulinarische Geschichten in Veranstaltungen und Ausstellungen.

Im Gespräch mit Etumu Schoster erzählt Mitgründerin Leadora Illmer vom Schreiben und Sprechen über Essen – und lädt ein, das Archiv mit eigenen Erzählungen zu erweitern. Tickets gibts hier.

Achtsamkeit

Ich weiss, es geht hier um Oktober, aber ich rate, JETZT für nächsten Monat zu buchen. Unter anderem, weil ich an diesem Ort nach der besten Massage meines Lebens high on Entspannung durchs hauseigene CBD-Spa geschwebt bin.

Also folgendes: Von 13. bis 28.  November steht das Schloss Zermatt ganz im Zeichen von Mindfulness. Mit den Wellness Weeks schafft das Hotel unterm Matterhorn einen bewussten Ausgleich zur Intensität des Alltags und ist eine Einladung, herunterzufahren, bevor der Winter vollends einkehrt. Durch tägliche Sauna Rituals, Icebathing, Breathwork und Yoga Sessions erleben Gäst:innen ein kuratiertes Programm, das Körper und Geist gleichermassen erholt.

Man hörts ungern, aber: Es wird Herbst. Der Sommer neigt sich dem Ende zu und das erinnert uns daran, innezuhalten, zu ernten und loszulassen, was nicht mehr mit in den nächsten Zyklus gehört. Der Frauenkreis «Root & Reflect» lädt am 3. Oktober ins Studio Kayana in Zürich ein, diesen Übergang bewusst zu erleben.

Man darf bewusst reinhorchen ins Spätsommer-Ich: Was ist in den vergangenen Monaten in mir gewachsen? Was möchte ich würdigen, mitnehmen und weiter nähren? Und was darf ich loslassen, um mit mehr Klarheit, Vertrauen und Verwurzelung in die nächste Phase zu gehen? Teilnehmerinnen dürfen sich auf einen inspirierenden Austausch, intuitives Malen, eine geführte Meditation und ein Sound Bath freuen. Tickets gibts hier.

Food

Apropos: Gibts eine Möglichkeit, den Sommer zu verlängern? Noch bis Ende Oktober bringt das Pop-Up-Restaurant Le Club Riviera den sonnengetränkten Vibe der Côte d’Azur ins Dolder Grand in Zürich. Das rot-weisse Interior lässt einen noch mal in einem südfranzösischen Beach Club sitzen und Austern schlürfen.

Und mon dieu, dazu gibts (unter anderem) eine Speck-Vinaigrette, die einem die Übergangsschuhe auszieht. Weitere Favoriten: Das Spicy Tuna Crudo mit Avocado, Mango, Gurke und Koriander sowie das Langoustino-Carpaccio mit Passionsfrucht, Kokosnuss und Piment d’Espelette. Dazu serviert das Luxushotel französische Weine, Champagner und südfranzösische Apéritifs.

Das Zürcher Restaurant LaSalle öffnet ab 3. Oktober an acht Samstagabenden seine Küche für das japanisches Pop-up-Konzept Takisi. Für Takao, den kulinarischen Meister, schmeckt Heimat nach Miso, manchmal aber auch nach Rösti.

Sein Weg führte ihn vom Aargau nach Zürich, weiter nach Kyoto und schliesslich zurück in die Schweiz. Aus dieser Reise ist ein fast schon abenteuerliches Menü entstanden.

Uuuund zack, schon sind wir geschmacklich wieder zuhause! Was 2021 als winterliches Pop-up begann, ist inzwischen ein fester Termin im Zürcher Herbst – am 27. Oktober startet das Fondue-Chalet Helvti-Chäschtli im Zürcher Hotel Helvetia in die neue Saison. Jedes Jahr auf Neue ein Highlight: die kleinen Schnitzel zum Eintunken in den cremigen Käse der Hausmischung.

Vintage

Mit den «Züri Brocki Nights» öffnen sechs Zürcher Brockenhäuser zwischen Oktober und Dezember 2026 an ausgewählten Samstagabenden ihre Türen für ein besonderes Kultur- und Begegnungsformat. Live-Musik, Auktionen, Upcycling-Workshops und kulinarische Angebote treffen dabei auf Vintage, Secondhand und Re-Use.

Den Auftakt macht am 10. Oktober das Zürcher Brockenhaus, danach zieht die Veranstaltungsreihe im Zweiwochenrhythmus durch verschiedene Zürcher Stadtkreise. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei.

Theater

Als Mary MacLane im Alter von 19 Jahren mit ihrem ersten Buch hinaus ins helle Rampenlicht tritt, ist das Medienecho gewaltig. Schlagfertig, witzig, rebellisch und klug hat die junge Autorin ein tagebuchartiges Selbstzeugnis verfasst, in dem sie über Kunst und Literatur, Körperfunktionen und Mitternachtssnacks, über Lebenssinn und die Schönheit der Natur philosophiert.

Ein schillerndes Psychogramm, das im Zentrum der Bühnenfassung, in der Regisseurin Marie Rosa Tietjen Auszüge aus dem «Teufel» und den beiden Folgebüchern Mary MacLanes — «Meine Freundin Annabel Lee» und «Ich» — verwoben hat. Im Zürcher Schauspielhaus wurde daraus gemeinsam mit der Schauspielerin Lorena Handschin das Solostück «Ich erwarte die Ankunft des Teufels», das am 1. Oktober Premiere feierte. Tickets gibts hier.

Networking

Innovation entsteht selten allein. Sie braucht Menschen, die zuhören, mitdenken und Türen öffnen. Und sie braucht Netzwerke, die Ideen wachsen lassen. Das Female Innovation Forum als Plattform für Austausch, Inspiration und Vernetzung findet dieses Jahr bereits zum neunten Mal statt.

Im Blue Cinema Abaton in Zürich treffen am 21. Oktober Gründerinnen auf Investorinnen, Erfahrung auf frische Perspektiven und Innovation auf eine Community, die daran glaubt, dass wir gemeinsam mehr erreichen können. Auf dem Programm stehen Keynotes, Workshops und Networking rund um Innovation und Unternehmertum. Tickets gibts hier.

Mode

Vom 2. bis 4. Oktober bringt Onuli eine kuratierte Auswahl zeitgenössischer afrikanischer Designer:innen nach Zürich – mit Kollektionen, die im Schweizer Retail bislang nur selten vertreten sind. Im Fokus stehen an der Langstrasse 200 Nachhaltigkeit und Slow Fashion sowie die Geschichten hinter den einzelnen Designs.

Onuli möchte so eine Verbindung zwischen Konsument:innen, Marken und Designer:innen schaffen und die zeitgenössische Kreativität afrikanischer Mode sichtbar machen. Hier kostenlos anmelden.

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