Es ist August! Was wir diesen Monat nicht verpassen dürfen
Welche Ausstellung muss man besucht, auf welchem Festival bis in die Morgenstunden getanzt und wo geschlemmt haben? Monat für Monat gibt unser Team Kultur- und Veranstaltungstipps. Dieses Mal mit Lifestyle Editor Linda Leitner.
- Von: Linda Leitner
- Collage: annabelle, Bilder: zvg
Kunst
Die Art Basel ist längst durch und die Stadt am Rhein schläft wieder ein? Mitnichten! Bereits von 28. bis 30. August saugt sich Basel wieder mit Kultur voll: Während der Kunsttage Basel laden rund 60 Institutionen zum Entdecken und Erleben der regionalen Kunstlandschaft ein und bieten ein diverses Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm im Bereich moderner und zeitgenössischer Kunst.
Im Ausstellungsraum Klingental zum Beispiel zeigt die Ausstellung «Flowers Blooming From Our Crotches» Werke von Inka ter Haar, Maria Mayland und Dominik Geis, die Antworten auf das Gefühl der Ohnmacht gegenüber dem erstarkenden antifeministischen und queerfeindlichen Backlash suchen. In der Galerie Hilt präsentiert Stefan Auf der Maur Kuscheltierportraits. Exklusiv für die Kunsttagewoche haben ausserdem ausgewählte Basler Lokale spezielle kulinarische Angebote entwickelt. Überzeugt? Ich bin es sehr.
Man sieht es schon von weitem: Zwischen malerischer Bergkulisse und traditionellen Appenzeller Bauernhäusern ragen silberne Zacken empor: Das von den Zürcher Architekten Gigon & Guyer gebaute Appenzeller Kunstmuseum zeigt die Kunstsammlung von Heinrich und Myriam Gebert sowie Werke der Appenzeller Maler Carl August und Carl Walter Liner. Noch bis 25. Oktober verändert die Libanesin Caline Aoun in der Einzelausstellung «The Threshold of Impermanence» technische Geräte und Alltagsmaterialien, um Wetter- und Naturphänomene in ästhetische und körperlich erlebbare Situationen zu verwandeln.
Mit der zweiten Ausgabe von «(Mit)einander» führt das Fotomuseum Winterthur den Dialog zwischen Sammlung und zeitgenössischen Künstler:innen fort. Die französisch-vietnamesische Fotografin Nhu Xuan Hua, die neben ihrer künstlerischen Praxis für internationale Modehäuser wie Dior, Maison Margiela und Gucci sowie für Magazine wie «Vogue» und «Time» arbeitete, tritt dabei in Austausch mit Werken aus dem Bestand. In ihrer multidisziplinären Praxis befasst sich Nhu Xuan Hua mit der Konstruktion von Erinnerung, dem Gefühl der Entwurzelung und dem Erbe der Diaspora. Noch bis 11. November.
Wer Werkserien mit dem Titel «Billige Bilder» sehen will, der muss sich sputen: Noch bis 9. August zeigt das Masi Lugano mit der Ausstellung «Jean-Frédéric Schnyder. La pittura 2024/25» das Schaffen von Jean-Frédéric Schnyder, einem in Basel geborenen und in Zug lebenden Künstler, der die zeitgenössische Malerei mit Konsequenz und Unabhängigkeit erneuert hat. Als einer der originellsten und einflussreichsten Künstler der Schweizer Kunstszene hat Schnyder in über sechzig Jahren seines Schaffens eine unverwechselbare und vielseitige Bildsprache entwickelt. Humor, Poesie und Experimentierfreude verbinden sich in seinem Werk, das unterschiedliche Gattungen und Stile umspannt und den Alltag mit einem stets freien und persönlichen Blick betrachtet.
Weil Sommer ist, gibts hier auch mal Ausflugstipps: Bock auf Norditalien? Dann andiamo a Torino! Die Pinacoteca Agnelli in Turin zeigt bis zum 13. September in der Einzelausstellung und Retrospektive «In Good Company» über 100 Fotografien des Schweizer Künstlers Walter Pfeiffer, der schon in den 1970er-Jahren eine Bildsprache entwickelte, die heute immer noch wahnsinnig cool ist.
Food
Wenn wir schon bei Ausflügen sind: Einfach mal in den Zug nach Bregenz und im Anschluss in den Bodensee hüpfen! Das klingt ganz so, als wäre danach ein Apéro fällig? Im hübschen Boutique-Hotel Kleiner Löwe am Kornmarktplatz wohnt in den Sommermonaten der Naturwein-Kiosk La Buvette Lion. Der serviert neben Flüssigem seine berühmten Bohnen aus Paris, Gazpacho und feinste Fichtenbutter. Alles lokal. Alles lecker.
Zum ersten Mal seit seiner Gründung 1994 findet das St. Moritz Gourmet Festival nicht im Januar und Februar, sondern im Sommer statt: Vom 25. bis 30. August begeben sich Besucher:innen des Festivals auf eine kulinarische Reise durchs Engadin. Zum Auftakt öffnet das «Badrutt’s Palace» seine Küche für eine Kitchen Party, später entführen der ansässige Hoteldirektor und Jäger Claudio Lager sowie der schwedische Koch Nicolai Tram die Gourmands zum Fine Dining in die Natur. Verschiedene Hotels wie das «Nira Alpina» und das «Hotel Waldhaus Sils» empfangen zum Gourmet-Abend und Koch Fabrizio Zanetti vom «Suvretta House» veranstaltet gemeinsam mit seinem französischen Kollegen Emmanuel Pilon ein 4-Hand-Dinner, bevor das Grand Hotel bei einer Garden Party alle Local Chefs an verschiedenen Kochstationen zusammenkommen lässt. Also, wenn einem da beim Blick ins Programm nicht das Wasser im Mund zusammenläuft.
«Le sere più belle: pizza a portafoglio, good sips e amore» – klingt nach flirrenden Sommernächten, die sich ziehen wie geschmolzener Mozzarella. Den ganzen August über wirbeln die neapolitanischen Pizza-Slices von Stufa durchs Nude, jenem Zürcher Café, das so hübsch zwischen oberem und unterem Letten posiert. Jeden Samstag und Sonntag ab Spätnachmittag bis in den noch späteren Abend, reserviert werden kann nicht, einfach vorbeifloaten.
Wen nach dem Pop-up-Besuch umgehend die Italien-Sehnsucht packt, setzt la Bella Vita in Mitton's Feinkostladen fort. Neben hochwertigen Olivenölen, italienischen Naturweinen von Kleinproduzent:innen und handgemachter Sauerteig-Foccacia findet man im Zürcher Kreis 4 auch diverse Saucen, Käse, Wurstwaren und frische Pasta – letztere bringt einem Ladenbesitzer Giorgio sogar bei! Am 20. und 27. August (und in der Regel jedem weiteren Donnerstag) lehrt der Venezianer in seinen Workshops die Kunst des Pasta- und Ravioli-Machens. Dazu gibt's italienischen Aperitivo, Focaccia, Schaumwein, und Giorgio's ansteckend gute Laune.
Liebe
Liebe geht durch den Magen, meistens aber durchs W-lan. Weil Online-Dating aber irgendwie out ist, lädt die Kuppel-Plattform Noii am 30. August zu einem Gelato Walk in Bern – in Fleisch und Blut! Alles beginnt mit einem entspannten Spaziergang durch die Stadt – die perfekte Gelegenheit, um sich kennenzulernen und locker ins Gespräch zu kommen. Bei der Gelateria di Berna legen die Flirtenden einen Glace-Stopp ein, bevor sie zur Marziliwiese weiterschlendern, wo sie den restlichen Nachmittag auf der Wiese liegen. Wie – das bleibt offen. Alles ist freiwillig. Hier anmelden!
Film
Wer statt auf andere Leute neugierig auf neue Filme ist, findet am Locarno Film Festival vom 5. bis 15. August eine Auswahl an über 200 Filmen – viele davon feiern am Festival Premiere. Der gesamte Zauber entfaltet sich an der allabendlichen Kinonacht auf der historischen Piazza Grande. Neben den Film-Screenings unterm Sternenhimmel und in verschiedenen Kinosälen der Stadt finden ausserdem Podiumsdiskussionen, Workshops und auch ein speziell für Kids entwickeltes Programm statt, bei dem Kino auf vielfältige Weise entdeckt werden kann. Tickets gibts hier.
Unter dem Motto «If Music» versammelt das St. Moritz Art Film Festival vom 20. bis 23. August 2026 internationale Film- und Videokunst, Schweizer Premieren, Künstlergespräche und immersive Arbeiten. Zu den Gästen zählt der britische Musiker Rusty Egan, Mitbegründer der Band Visage und des legendären Londoner Blitz Club, der Ende der 1970er-Jahre zum kreativen Zentrum der New-Romantic-Bewegung wurde. Egan präsentiert am Samstag, 22. August die Dokumentation «Blitzed!» über den Club, hält einen Talk und legt ein exklusives DJ-Set auf.
Literatur
Das Belle-Époque-Grandhotel Kempinski Palace Engelberg wird im Sommer zur Begegnungsstätte für Liebhaber:innen von Literatur und Poesie. Im Zentrum stehen die «Writers in Residence» in Kooperation mit dem Diogenes Verlag: Drei Bestsellerautorinnen des grössten unabhängigen Belletristikverlags Europas residieren während des Poetry Summers für je eine Woche am Fusse des Titlis. Nach der österreichischen Autorin Melissa Müller ist im August die deutsche Bestsellerautorin Elena Fischer zu Gast, die am 7. August das erste Mal aus ihrem neu erschienen Buch «Wirf einen Schatten» lesen wird. Am 14. August folgt die Schweizer Autorin, Regisseurin und Erfinderin der Kultserie «Lüthi und Blanc» Katja Früh mit ihrem aktuellen Buch «Vielleicht ist die Liebe so».
Mode
Im Atelier von Anna Rankin rattern die Nähmaschinen und blubbert der Schaumwein: Unter dem klingenden Namen «Sip and Sew» finden mitten in der Zürcher Altstadt Nähworkshops für Anfänger:innen statt, in denen man Schritt für Schritt lernt, wie hochwertige Leder- und Wildlederstücke entstehen. Inklusive einem Glas Wein oder Prosecco versteht sich. Am Drei-Tages-Workshop vom 6., 13. und 20. August zum Beispiel entsteht eine Wildlederjacke – vom Schnitt über das Nähen bis zum letzten Finish. Am 7. August bastelt man sich einen Wildleder-Weekender namens The Badi Bag und am 10. August einen Shopper. Cheers!
Musik
Von 7.-9. August geht die Lethargy, das künstlerisch relevanteste elektronische Musikfestival der Schweiz, nach einem fulminanten Jubiläumsjahr in die nächtse Runde: In der Roten Fabrik in Zürich wird zu wegbereitenden Acts und jungen Wilden, die die Fackel weiter tragen, ekstatisch getanzt und gefeiert. Ob DJs, Live-Acts, Bands oder Installationen und Kunst: Die Lethargy ist getreu dem Motto «Visual Rythms – Sonic Views» weit mehr als ein Musik-Festival. Die Wege zwischen den Floors sind multisensorische Achterbahnen ohne Anfang und Ende. Wir alle sind Teil des Kunstwerks. Word. Tickets gibts hier.
Habt ihr schon mal mit Lenny Kravitz in den Sonnenuntergang getanzt? Nein? Dann wirds Zeit! Das Lakelive Festival lässt das Ufer des Bielersee noch bis 8. August beben: Die Besucher:innen erwartet ein vielfältiges Programm mit Live‑Konzerten, Sport‑ und Kulturformaten direkt am See. Shaggy und Ski Aggu habt ihr leider schon verpasst, aber Lenny Kravitz, Amy Macdonald oder Macklemore warten noch auf ein gemeinsames Halleluja am Wasser. Tickets gibts hier.
Falls Biel nicht grad ums Eck ist, gibts einen Alternativplan: Lenny Kravitz, Amy Macdonald und Macklemore treten auch mitten in der Schaffhauser Altstadt beim wunderschönen Stars in Town auf. Ausserdem hier dabei: die deutschen Schmuser Vincent Weiss und Max Giesinger und unsere Gassenhauer Baschi und Lo & Leduc. Tickets gibts hier.
Theater
Das international renommierte Zürcher Theater Spektakel begeistert seit über 40 Jahren grosse und kleine Zuschauer:innen – an bester Seelage versteht sich. Die Landiwiese bei Wollishofen verwandelt sich auch dieses Jahr von 13.-30. August in eine einzigartige Kulisse für Performance und Theater. Und es gibt sogar noch Tickets fürs Eröffnungswochenende: Mit «Teenage Songbook of Love and Sex» präsentieren Ásrún Magnúsdóttir und Alexander Roberts ein ebenso berührendes wie humorvolles Musiktheater über Liebe, Sexualität und das Erwachsenwerden. Tamara Cubas zeigt mit «Multitud» in der Gessnerallee ein kraftvolles Gemeinschaftserlebnis: Rund 80 Zürcher Tanzbegeisterte bilden einen kollektiven Körper und machen das gemeinsame Erleben zum politischen Akt. Ebenfalls zu entdecken ist «The Killing of the First Person» des chilenischen Performers Nicolás Lange – ein klug komponiertes und vielschichtiges Stück über queere Identitäten und Macht. Tickets gibts hier.