Werbung
Füsse runter, Mund zu: Der nicht ganz ernst gemeinte Reiseknigge

Füsse runter, Mund zu: Der nicht ganz ernst gemeinte Reiseknigge

Im Zug, im Flieger, am Gepäckband: Man sollte meinen, gewisse Dinge verböten sich von selbst. Unsere Autorin weiss es besser. Und konstatiert: Es gibt Nachholbedarf in Sachen Manieren. Falls freundliche Worte nicht helfen, bleiben uns immer noch die Rachefantasien. Natürlich nur theoretisch. Wir können uns ja benehmen.

Hände hoch!

Nahezu niemand ist dafür gemacht, um 5.30 Uhr an einem Vierertisch in einem Zug zu sitzen. Und dass bei unfreiwilligen Frühreisenden der Bedarf besteht, in der Frequenz einer Herzrhythmusstörung zu gähnen: okay. Aber die Schnorre aufzureissen und nur bei etwa jedem siebzehnten Mal die Hand zu bemühen: nicht okay. Niemand will fremde Füllungen, belegte Zungenlappen und stinkende Essensreste im Mund eines mitreisenden Zahnseideverweigerers sehen.

Für den Fall der Fälle – rein theoretisch natürlich: M&Ms mitnehmen und hart zielen. Sollte sich das Gegenüber prustend verschlucken: müde lächeln.

Fussableger

In verschiedenen Kulturen ist das proxemische Bedürfnis erwiesenermassen unterschiedlich ausgeprägt, was heisst, dass Nähe zu anderen nicht überall als gleich angenehm empfunden wird. Die eigenen Füsse mit grösster Selbstverständlichkeit auf den freien Nebensitz des Gegenübers zu legen und zwischendurch auch noch genüsslich mit den nackten (!) Zehen zu klimpern, dürfte allerdings allgemein als grenzüberschreitend aufgefasst werden.

Für den Fall der Fälle – natürlich nur als Fantasie: Fussfoto machen und in einem Fetischforum eine Anzeige «Zehenlutscher:in gesucht» schalten. Für ein möglichst langes Zelebrieren der Schadenfreude alle 30 Minuten nachschauen und die Kommentarspalte anheizen. 

Breitmacher

Die Armlehnen gehören laut Airline-Richtlinien offiziell niemandem. Aber nach gängiger Bord-Etikette hat fairerweise die Person auf dem Mittelsitz ein Vorrecht. Immerhin sitzt dort eingequetscht die arme Person, die es mit dem rechtzeitigen Einchecken versemmelt hat. Dennoch gibt es nach wie vor ignorante Unbarmherzige, die sich breitmachen.

Für den Fall der Fälle – satirisch gesprochen: Ein Pflaster aus der Tasche ziehen und wortlos auf die eigene Ellenbogenspitze kleben. Bei der nächsten Kollision tapfer lächeln und sagen: «Machen Sie ruhig weiter, ich bin vorbereitet.» 

Drängelbengel

Ob Düsseldorf oder Singapur, es ist und bleibt in jedem Flieger das Gleiche: Kaum ist man gelandet, tut die Hälfte der Passagier:innen so, als drohe der Anschlussflug ohne sie abzuheben, und stürmt nach vorn. Dabei ist es ganz einfach: Sollte es wirklich eng werden, darf das höflich kommuniziert und um Vortritt gebeten werden. In Härtefällen bietet meist auch das Bordpersonal Priority-Geleit. Alle anderen arbeiten sich nach dem Reissverschlussprinzip zum Ausgang, helfen älteren und schwächeren Menschen beim Herausholen der Koffer – und zählen bis 100.

Für den Fall der Fälle – natürlich nur theoretisch: Eine gängige Spucktüte unauffällig mit Papierservietten füllen. Falls jemand zu drängeln beginnt, Würgelaute andeuten und unkontrolliert mit der Tüte wedeln. Abstand garantiert. 

Nackte Tatsachen

Bei 30 Grad ist den meisten Menschen warm. Dennoch verbietet sich in Fortbewegungsmitteln der Gedanke, sich die Klamotten vom Leib zu reissen. Ob nun aus ästhetischen, olfaktorischen oder grundsätzlichen Gründen, dürfen Betrachtende für sich entscheiden.

Für den Fall der Fälle – nachmachen auf eigene Gefahr: Eine kleine Sprühflasche mit Wasser bei sich führen. Einen Niesanfall vortäuschen und immer wieder heimlich den unbekleideten Oberkörper des Teilzeit-FKKlers im Takt besprühen. Wenn der nicht umgehend sein Shirt überzieht, sollte er in jedem Fall zeitnah das Weite suchen.

Pedi-Panne

Immer wieder meinen Menschen, das ungenierte Knipsen ihrer Zehennägel in Bahn und Flieger sei ein willkommener Zeitvertreib. Wer aber seine Hornplatten durch die Gegend katapultiert, hat offenbar die ganz grundlegenden Regeln des Miteinanders nicht verstanden.

Für den Fall der Fälle – nur als Gedankenspiel: Das Geschoss unauffällig sichern, der betreffenden Person beim Aussteigen hinterhereilen und freundlich sagen: «Entschuldigung, Sie haben da etwas verloren.»

Abonniere
Benachrichtigung über
guest
0 Comments
Älteste
Neuste Meistgewählt