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Oh, wie schön ist Panama: Ein Plädoyer für langsame Reisen

Oh, wie schön ist Panama: Ein Plädoyer für langsame Reisen

Unsere Autorin macht Ferien in Sri Lanka, als sie nach Panama eingeladen wird – und das liegt gleich um die Ecke. Eine Geschichte über entschleunigtes Reisen ohne Plan.

Die Strasse ist holprig. Ich sitze auf der überdachten Ladefläche eines alten weissen Pick-ups. Unsere Gastgeberin Raffaella fährt, sagen wir: energisch. Energisch ist irgendwie alles, was sie tut.

Ihr gehört «East Surf Cabanas» in Arugam Bay an der Ostküste Sri Lankas, wo wir uns für vier Wochen einquartiert haben während unserer grossen Reise: Acht Monate lang fahren mein Mann und ich um die Welt mit unseren zwei Töchtern, damals acht und fünf Jahre alt.

Als wir am späten Nachmittag in unseren Hängematten lagen, kam Raffaella und fragte, ob wir Panama sehen wollen. Panama? Wie, Panama. Egal – wir wollen eh alles sehen. Nicht viele Pläne machen, die Dinge auf uns zukommen lassen, Abenteuer annehmen, wenn sie sich ergeben – das ist unsere Philosophie beim Reisen.

Beziehungen aufbauen zu Menschen, Orten und Kulturen, indem wir einfach da sind. Uns Zeit nehmen. Ohne Checkliste. Und so schaukeln wir jetzt durch die Landschaft.

Glückliches Nichtstun

Wo hält man sich eigentlich fest auf einem Pickup? Ich klammere mich an den Rand der Ladefläche, mit leichten Sicherheitsbedenken. Zumindest ist die Klappe von der Ladefläche hinten zu. Ich schaue immer wieder zu meinen zwei Kindern rüber. Sie blicken völlig entrückt in die Ferne, kichern bei jedem Schlagloch, sind ausgelassen und entspannt nach einem Tag Barfuss-Leben.

Ein Tag, an dem sie zum Frühstück das köstlichste Obst assen und, wie jeden Tag, ihre neue Leibspeise: Roti, ein Fladenbrot. Ein Tag, an dem sie zum ersten Mal in ihrem Leben gesurft sind, überrascht und stolz plötzlich auf einer Welle standen. «The friendliest wave on earth» wird die Welle in Arugam Bay auch genannt, weil lang und sanft und auf Sandboden.

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"Am Rand der Strasse stehen Elefanten. Einmal halten wir kurz an, denn eine Schildkröte überquert den Weg"

Wo sie sich auf dem Grundstück von «East Surf Cabanas» herumgetrieben haben, mal in einem Buch lasen, mal an einem Stock schnitzten. Zwischendurch haben sie beobachtet, wie ein Affe versuchte, eine Banane aus der Küche zu klauen. Glückliches Nichtstun.

Am Rand der Strasse stehen Elefanten. Später biegen wir ab auf einen schmaleren Sandweg, Raffaella drosselt ihre Geschwindigkeit etwas, auch weil man nie weiss, ob plötzlich ein Tier aus dem Gebüsch auftaucht. Einmal halten wir kurz an, denn eine Schildkröte überquert den Weg. Ihr gemusterter Panzer ist ein kleines Kunstwerk.

Und plötzlich sind wir in Panama

Dann sehen wir Panama, am Rande des Nationalparks Kumana. Panama ist nicht nur ein Land in Südamerika, sondern auch ein kleines Dorf an der srilankischen Küste mit einer traumhaften Lagune.

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Gerade hebt ein ganzer Schwarm Störche in synchronisierter Einheit ab, wie einstudiert. Der Nationalpark ist eines der bedeutendsten Vogelparadiese Sri Lankas, zirka 255 verschiedene Vogelarten wurden hier dokumentiert. Ein einzelner Fischer arbeitet noch auf seinem kleinen Boot. Immer wieder tauchen Elefanten in der Entfernung auf. Ab und zu hört man ein Tröten aus dem Dschungel.

Hier in Panama gehört Raffaella (55) ein kleines Stück Land. Früher lebte die gebürtige Italienerin in London. Damals, vor vielen Jahren, ist sie als junge Frau alleine durch Sri Lanka gereist. Später, auf einer weiteren Reise und auf der Suche nach einem Ort, um Wurzeln zu schlagen, hat sie Sudu kennengelernt, einen Fischer aus Arugam Bay.

Als sie zurück in London ihren Job als Events und Office Manager für den Energiekonzern Eni kündigte und ihrem Chef sagte, sie ziehe nach Sri Lanka, weil sie sich dort in einen Fischer verliebt habe, dachte der, sie mache einen Witz.

Intuitive Verbindung mit der Natur

Während des Bürgerkriegs in Sri Lanka – in dem tamilische Separatisten um Unabhängigkeit von Sri Lanka kämpften und der 2009 nach 26 Jahren endete – wurde Sudu, damals ein kleiner Junge, immer wieder mit den Worten «Lauf, Sudu!» von seiner Mutter in den Dschungel geschickt, um sich zu verstecken.

Er schlug sich tagelang alleine in der Wildnis durch. Für ihn ist die Kommunikation mit Tieren und Pflanzen so selbstverständlich wie die mit Menschen. Es ranken sich unzählige Geschichten um sein intuitives Verständnis der Natur; selbst Locals vermeiden es, in den Dschungel zu gehen, wenn Sudu nicht dabei ist.

Nun macht er uns gerade ein kleines Feuer – er ist schon vor uns angekommen, weil es noch Dinge zu tun gab auf dem Feld. Raffaella und Sudu haben hier in Panama eine kleine Erdnussfarm und pflanzen ausserdem Mais, Chili, Reis und manchmal Wassermelonen an.

"Ich möchte allen von diesem Ort erzählen und ihn gleichzeitig ganz für mich allein, eingeschlossen in meinem Herzen bewahren"

Wir geniessen die Gesellschaft und einen Abend am Feuer, an diesem abgelegenen Ort, von dem ich noch nie vorher gehört hatte. Und von dem ich allen erzählen und den ich gleichzeitig ganz für mich allein, eingeschlossen in meinem Herzen bewahren möchte.

Laternen und Erinnerungen basteln

Auf dem Heimweg halten wir am Okanda-Tempel. Für den Tempelbesuch in Weiss gekleidete Menschen ziehen durch die Strassen. Überall hängen bunte Laternen, wie freundliche Gespenster schaukeln sie im Wind. Es ist Vesak.

Vesak ist der höchste buddhistische Feiertag, der weltweit am Vollmondtag im Mai gefeiert wird. Es zelebriert die Geburt des historischen Buddhas, in Sri Lanka, wo rund siebzig Prozent der Bevölkerung dem Buddhismus angehören, ist es ein offizieller Feiertag.

Wir haben heute mit Raffaella eine Laterne gebastelt. Sind zur Hauptstrasse in Arugam Bay gefahren, haben in einem winzigen Supermarkt Klebestift und Papier gekauft. Natürlich haben wir auch kurz in unserem neuen kleinen Lieblingscafé Halt gemacht, um einen «Brookie» zu essen. Eine Mischung aus einem Cookie und einem Brownie, die Neuentdeckung der Kinder.

Während sie im Café sassen und eine Runde Halma spielten, schlüpfte ich schnell in das «Hideaway Savvy» gleich daneben, eine kleine Boutique mit den schönsten handbedruckten Textilien, die ich je gesehen habe.

Der Morgenmantel, den ich mir dort gekauft habe, hängt heute bei mir im Bad und versetzt mich sofort zurück in diese unbeschwerte Zeit am Meer. Wieder im Guesthouse machten wir uns unter Anleitung von Raffaella ans Werk. Unsere Laterne war gelb-orange und unser ganzer Stolz.

Grosszügige Einladung zu allem

Es fühlt sich besonders an, an solch jahrhundertealten Traditionen teilzunehmen. Teilnehmen zu dürfen. Dass die Menschen hier einen willkommen heissen und einen grosszügig zu allem einladen, zum gemeinsamen Essen, zum Surfen, zu Unterhaltungen, die auch mal mit Händen und Füssen geführt werden, wenn man mit der Sprache nicht weiterkommt.

Manchmal denke ich dann: Ich hoffe, wir wären gleich offen und herzlich. Ich hoffe, dass die Menschen hier das Gleiche erfahren würden, wenn sie uns in unserem Land besuchen würden.

Auf der Heimfahrt sind die Kinder müde und glücklich. Neben ihnen sitzt ihre neue Freundin: Giada, die vierjährige Tochter von Raffaella, und der lebhafte Mittelpunkt von «East Surf Cabanas». Der Wind zerzaust den Kindern die Haare.

Nachhallende Nähe und Dankbarkeit

Ich muss lächeln, denn ich weiss: Sie spüren es auch. Dieses Gefühl von Freiheit und unsere Nähe während der gemeinsamen Zeit. Während der zwanzigminütigen Fahrt ändert sich das Licht von Sekunde zu Sekunde, die Farbpalette bietet alles, von einem überirdischen Violett bis hin zu allen möglichen Orangetönen, ein leuchtendes Rot, ein ätherisches Gelb, und später dann ein dunkles Blau, das sich wie ein auslaufendes Tintenfass über dem Himmel ausbreitet.

Als wir beim Guesthouse ankommen, ist es tiefschwarze Nacht. Raffaella parkt ihren Pick-up in der Einfahrt, man hört in der Ferne Grillenzirpen und andere Geräusche aus dem Dschungel.

Auf den letzten Metern sind die Mädchen eingeschlafen. Als ich mit einem schlafenden Kind vom Pick-up steige, blicke ich nochmal zu Raffaella rüber, forme lautlos die Worte «thank you». Sie dreht sich vergnügt zu uns um und grinst: «Just another day!»

Wir tragen die Kinder in unsere Family Cabana. Wie von Zauberhand ist es mit frisch gestärkten, duftenden Tüchern überzogen, und die Veranda, wie jeden Abend, vom Sand befreit.

Auf dem Bett liegend, im Schutz des Moskitonetzes, hallen die Farben und Erlebnisse des Tages noch lange nach. Mich überrollt eine Welle tiefer Dankbarkeit. Just another day.

Das erste Buch von annabelle-Art-Director und Travel-Guru Marcella Hasters enthält kuratierte Empfehlungen zu 16 Destinationen auf der ganzen Welt: Someplace Slower. Verlag The Gentle Temper, Berlin 2026, 256 Seiten, Englisch, 24 Fr.

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1 Comment
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Lena

Sehr schöner Bericht. Beim Lesen wird man gleich mitgenommen in die tropischen Wälder! Bin gespannt auf das Buch!

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