"Die kleinen Momente bleiben oft länger in Erinnerung als die grossen"
In diesem Sommer begleitet ibis erneut die Tour de France als Hotelpartner. Julie White ist die Markenverantwortliche der ibis-Familie und spricht im Interview über neue Reisegewohnheiten, Grossereignisse wie die Tour de France Femmes in der Schweiz und warum die besten Erinnerungen selten nur im Hotelzimmer entstehen.
Julie, Sie verantworten die drei ibis-Marken in Europa mit mehr als 1'600 Hotels, davon allein 45 in der Schweiz. Durch Ihre Rolle verbringen Sie viel Zeit auf Reisen und beobachten, wie sich das Reiseverhalten verändert. Was hat sich in den vergangenen Jahren am stärksten gewandelt?
Julie White: Früher reisten viele Menschen vor allem, um sich zu erholen. Heute suchen sie oft nach etwas anderem: Inspiration, Begegnungen, neue Perspektiven oder einfach einen Tapetenwechsel. Immer häufiger steht auch ein konkreter Anlass im Mittelpunkt einer Reise – ein Konzert, eine Sportveranstaltung oder vielleicht ein angesagter Foodie-Hotspot, den man unbedingt selbst erleben möchte.
Sie beobachten das Reiseverhalten europaweit. Was überrascht Sie aktuell am meisten?
Dass Reisen für viele Menschen weiterhin Priorität hat. Statt weniger zu reisen, treffen sie ihre Wahl aber bewusster. Menschen überlegen genauer, wofür sie ihr Budget einsetzen möchten.
Wofür geben wir auf Reisen heute gerne Geld aus?
Für Erlebnisse. Für ein gutes Essen, ein besonderes Konzert, einen Ausflug, Kultur oder Me-Time mit Freunden und Familie. Woran werde ich mich in zehn Jahren noch erinnern? Welche Geschichten werde ich dann noch erzählen? Die Antwort ist meistens nicht das Hotelzimmer, sondern der Gesamteindruck. Sowohl von der Reise als auch des Hotels.
Und wo sparen wir?
Ich würde nicht unbedingt von Sparen sprechen. Es geht darum, bewusste Entscheidungen zu treffen. Reisende suchen heute Qualität, Komfort und Verlässlichkeit, möchten aber nicht automatisch das teuerste Angebot buchen. Das passt sehr gut zu unserem Verständnis von Reisen bei ibis: Reisen sollte für alle zugänglich sein – unabhängig vom Budget. Genau darum geht es auch bei unserer Vision «Go get it», die wir zum 50-jährigen Jubiläum von ibis eingeführt haben. Für uns bedeutet das, Menschen dabei zu unterstützen, das Beste aus ihrer Reise zu machen, wofür sie auch reisen mögen. Sei es, eine neue Stadt zu entdecken, eine Veranstaltung zu besuchen, Zeit mit Freunden zu verbringen oder Familie wiederzusehen. Unsere Aufgabe ist es, die wichtigen Dinge richtig zu machen: mit komfortablen, verlässlichen Hotels und einem attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis, damit sich unsere Gäste auf das konzentrieren können, weshalb sie reisen.
Sie haben vorhin gesagt, Hotels seien oft die Basis für Erlebnisse und nicht das eigentliche Ziel. Was meinen Sie damit?
Die meisten Menschen reisen aus einem bestimmten Grund. Vielleicht möchten sie eine Stadt entdecken, Freunde besuchen, einen Marathon laufen oder mit ihren Kindern ans Meer fahren. Das Hotel spielt dabei eine wichtige Rolle, steht aber selten im Mittelpunkt. Es soll den Aufenthalt komfortabel unkompliziert machen und einem das Gefühl geben, gut aufgehoben zu sein.
Julie White, Chief Commercial Officer der ibis-Hotelfamilie"Ich würde niemals am Reiseerlebnis sparen – aber oft beim Hotel"
Was macht für Sie persönlich einen gelungenen Aufenthalt aus?
Interessanterweise sind es selten die offensichtlichen Dinge. Ich erinnere mich viel eher an ein Gespräch mit jemandem an der Rezeption, der mir einen tollen Geheimtipp gegeben hat, oder an eine Bar, in der Einheimische und Reisende ganz selbstverständlich miteinander ins Gespräch gekommen sind. Diese kleinen Momente bleiben oft länger in Erinnerung als die grossen.
In diesem Sommer begleitet die ibis Markenfamilie erneut die Tour de France als Hotelpartner. Was fasziniert Sie an diesem Ereignis?
Was ich besonders liebe, ist die Atmosphäre rund um das Event. Ob in Spanien, Frankreich oder der Schweiz – wir möchten, dass die Menschen sich als Teil davon fühlen. Mit unseren Aktivitäten und Fan-Erlebnissen entlang der Strecke machen wir das offene, unkomplizierte und verlässliche Markenversprechen von ibis erlebbar. Gerade in der Schweiz ist die Tour de France für uns eine wunderbare Gelegenheit, neue Menschen mit unseren Marken in Kontakt zu bringen und ihnen einen authentischen Eindruck davon zu vermitteln, wofür ibis steht.
Die Tour de France Femmes startet dieses Jahr in Lausanne.
Das finde ich grossartig. Der Frauensport erlebt gerade eine enorme Dynamik. Gleichzeitig rückt die Schweiz damit ins Zentrum eines internationalen Grossereignisses. Lausanne ist eine wunderbare Stadt und definitiv einen längeren Aufenthalt wert. Wer etwas mehr Zeit mitbringt, kann von dort aus die gesamte Region entdecken. Und natürlich können Fans auch in unseren Hotels vor Ort übernachten. Eines meiner persönlichen Lieblingshotels ist das ibis Styles Geneva Carouge. Mit seinem von Comics inspirierten Design greift es die Geschichte und Identität des Quartiers auf überraschende Weise auf und ist gleichzeitig ein echtes Design-Highlight.
Wenn Sie Schweizer:innen einen Reisetipp mitgeben dürften – welcher wäre das?
Man muss nicht immer weit oder zu offensichtlichen Reiseziele reisen. Einige der schönsten Reiseerlebnisse in Europa findet man abseits der klassischen Hotspots. Wir beobachten ein wachsendes Interesse an aufstrebenden Städten und Regionen, die viel Charakter, Kultur und Authentizität bieten. Und das oft ganz ohne grosse Menschenmassen. Tallinn ist dafür ein spannendes Beispiel. Und ich persönlich bin auch ein grosser Fan der Bodenseeregion, die Natur, Kultur und lokale Erlebnisse auf wunderbare Weise verbindet. Oft sind es gerade die Orte, die ursprünglich gar nicht auf unserer Bucket-Liste standen, die am meisten überraschen.
Und ganz persönlich: Was bedeutet Reisen für Sie?
Für mich bedeutet Reisen, neugierig zu bleiben. Wenn wir an einen neuen Ort kommen, gewinnen wir neue Erfahrungen und neue Perspektiven. Genau das macht Reisen so wertvoll. Und ich glaube, das ist auch einer der Gründe, weshalb Reisen für viele Menschen weiterhin eine so grosse Bedeutung hat. Ob ein Wochenende nur wenige Stunden von daheim entfernt oder eine Reise quer durch Europa: Bei ibis möchten wir ihnen eine komfortable, verlässliche und zugängliche Basis bieten, damit sie sich auf den Grund ihrer Reise konzentrieren und mehr daraus machen können.
Die Tour de France Femmes ist das wichtigste Etappenrennen im Frauenradsport. Über mehrere Tage fahren die besten Radrennfahrerinnen der Welt um den Gesamtsieg. Das Rennen trägt wesentlich zur Sichtbarkeit und Professionalisierung des Frauenradsports bei.
2026 startet die Tour erstmals mit einem Grand Départ in der Schweiz: Die ersten drei Etappen führen von Lausanne über Aigle nach Genf, bevor es weiter nach Frankreich geht.