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KI-Chatbots für persönliche Probleme: Verlernen wir echte Nähe?

KI-Chatbots für persönliche Probleme: Verlernen wir echte Nähe?

Immer mehr Menschen besprechen persönliche Probleme mit ChatGPT und anderen KI-Chatbots. Doch was passiert mit unseren Beziehungen, wenn wir Sorgen, Streit und Ängste lieber mit einer KI teilen als mit anderen Menschen?

Umfrage im Freundeskreis: Besprichst du deine privaten Probleme mit einem KI-Chatbot? Eine Freundin sagt: «Das mache ich ständig. Neulich hat mir meine Tochter von einem Konflikt in der Schule erzählt. Ich wollte ihr einen guten Ratschlag geben, und Chatty hat mir geholfen, mich klar auszudrücken.»

Eine andere Freundin erzählt: «Ich hatte einen Streit mit meinem Partner, spätabends habe ich ChatGPT die Geschichte geschildert. Was dabei an Einordnung rauskam, hat mir gutgetan. Es war schlau und differenziert.» Gemäss einer Umfrage des Online-Vergleichsdienstes Comparis nutzen drei Viertel der Erwachsenen in der Schweiz KI-Helfer wie ChatGPT regelmässig, in der Altersgruppe der 18- bis 35-Jährigen sind es sogar neunzig Prozent.

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"Je besser KI-Chatbots menschliche Beziehungen nachahmen, desto eher verdrängen wir, dass wir es mit einer Maschine zu tun haben"

Und immer häufiger werden Chatbots auch für persönliche und emotionale Anliegen konsultiert. Dass sie dabei als hilfreich erlebt werden, ist erfreulich – und zugleich problematisch: Denn je besser KI-Chatbots menschliche Beziehungen nachahmen, desto eher verdrängen wir, dass wir es mit einer Maschine zu tun haben. Die Gefahr besteht, dass wir sie einer echten Beziehung vorziehen, die im Vergleich anstrengender ist.

Klar, sich mit seinen Sorgen an einen Menschen zu wenden, birgt das Risiko der Irritation. Bevor ich mich anderen anvertraue, muss ich die Angst überwinden, zu stören, missverstanden zu werden oder als schwach zu gelten. Da ist ein unpersönlicher Zuhörer, der Bot, mit wohlwollenden und sensibel formulierten Ratschlägen praktischer. Er hilft auch dann, wenn die Freundin nicht erreichbar ist oder sich missverständlich ausdrückt und damit gleich wieder neue Unsicherheit auslöst.

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"Warum leiden, zweifeln und grübeln, wenn man so einfach übers Handy Trost und Einordnung findet?"

Aber kommen wir uns noch nahe, wenn wir das Zuhören und Beraten an die KI auslagern? Meine Freundin argumentiert so: Die KI leistet erste Hilfe, wenn die Sorgen akut sind, später kann man alles in Ruhe mit Freund:innen oder einer Fachperson besprechen. Das eine schliesst das andere nicht aus – und warum leiden, zweifeln und grübeln, wenn man so einfach übers Handy Trost und Einordnung findet?

Ich weiss darauf keine Antwort. Aber ein konservativer Kern in mir findet: Schwierigkeiten gehören zum Leben, und ich will nicht verlernen, was mir jetzt schon schwerfällt: mich meinen Mitmenschen zuzumuten, mit all meinen Unsicherheiten und Ängsten. Klar, manche Menschen schaffen es nicht, sich anderen anzuvertrauen, wenn es ihnen schlecht geht. Oder ihnen fehlt das soziale Umfeld. Doch besteht nicht gerade für sie die Gefahr, dass KI-Chatbots das Sozialleben komplett ersetzen?

In ihrem Newsletter fragt die belgische Psychotherapeutin Esther Perel: «Warum sind wir so konfliktscheu geworden? Ist es unsere Abhängigkeit von der Technologie? Hat uns die Tatsache, dass wir alle Antworten jederzeit griffbereit haben, unfähig gemacht, mit der Unsicherheit und Reibung des Lebens umzugehen?»

Vielleicht waren wir nie besonders gut darin, mit dieser Reibung umzugehen. Aber das ist völlig in Ordnung. Wir dürfen auch mal verzweifeln. Und kommen wir uns nicht vor allem dann richtig nahe, wenn wir nicht weiterwissen und aufeinander angewiesen sind?

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