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Performative Parenting: Könnt ihr bitte aufhören, die Supereltern zu mimen?

Performative Parenting: Könnt ihr bitte aufhören, die Supereltern zu mimen?

Viele Eltern performen, sobald sie das Haus verlassen: Perfekte Znüniboxen, immer alle Termine im Griff, nie schimpft irgendwer. Das bringt doch niemandem was, findet unsere Autorin, und fordert mehr Chaos und Ehrlichkeit.

Elternsein sieht in der Öffentlichkeit heute so aus: Am Sportanlass ihrer Kinder übertrumpfen sich Mütter mit Selbstgebackenem, am Elternabend weiss der Vater des Gspändlis perfekt Bescheid über den aktuellen Stand im Matheplan. Znüniboxen sind mit saisonalem Obst und liebevoll selbstgeschmiertem Vollkorn-Sandwich gefüllt. Im Tram verweigert die frischgebackene Mutter mit Baby in der Trage dem tobenden Geschwisterkind voller Engelsgeduld weitere Snacks. Alle scheinen alles wahnsinnig gut im Griff zu haben. Scheitern, Schimpfen, Schreien? Fehlanzeige.

Für dieses Phänomen gibt es einen Begriff: Performative Parenting. Das heisst, Eltern präsentieren ihrem Publikum Verhaltensweisen, die als positiv wahrgenommen werden. Die harmonische, mühelose Perfektion eben.

Dabei haben uns Social Media doch längst einen Schritt weitergebracht. Neben perfekt ausgeleuchteten Wohnzimmern von gestylten Momfluencerinnen und den Übermüttern, die top gepflegt, im Job erfolgreich und als Partnerinnen hingebungsvoll sind, gibts mittlerweile auch ausgelaugte Mamas mit Augenringen zu sehen, die ihre unaufgeräumten Leben zeigen und drüber reden, wie fordernd der Alltag mit kleinen Kindern sein kann.

Mitten im Strudel des alltäglichen Wahnsinns, den Elternsein halt nun einfach mit sich bringt, bekommt man abgebildet: Anderen gehts genauso. Bei niemandem ist das Familienleben nur rosarot. Und das tut verdammt gut.

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"Es ist, wie wenn man nur jemanden zu sich einlädt, wenn die Wohnung perfekt aufgeräumt ist"

Doch scheint sich dieses ehrliche Teilen von Ausgepowertsein noch immer vorwiegend auf Instagram-Posts und Schau-mal-so-müde-bin-ich-gerade-Selfies zwischen Freund:innen zu begrenzen. Mit der Folge, dass man sich im realen Leben schnell wie eine absolute Verliererin vorkommt, wenn man sich nur knapp die Termine fürs Elterngespräch merken kann, zu spät zum Kinderkonzert in der Musikschule aufkreuzt oder wenn in der Znünibox bloss eine Handvoll Popcorn vom Filmabend zuvor landet.

Ich suche mir Rat in meinem Umfeld, suche nach Antworten darauf, warum so viele Eltern, denen ich im Alltag begegne, dermassen performen. Die treffendste Theorie liefert schliesslich mein Teenager: «Mama, die spielen sich draussen nur so auf, weil sie wissen, dass sie daheim eben nicht so perfekt sind, wie sie es gern wären.»

Mit anderen Worten: Die Performer:innen überdecken, dass auch ihr Familienleben nicht frei ist von Drama und Makel. Es ist, wie wenn man nur jemanden zu sich einlädt, wenn die Wohnung perfekt aufgeräumt ist.

Zeit also, dass wir alle etwas Druck rausnehmen und einander – im übertragenen Sinne – auch dann als Gäst:innen willkommen heissen, wenn der Wäscheberg noch nicht zusammengefaltet ist und in der Küche Chaos herrscht.

Wir tun gut daran, den Elternalltag öfter nach draussen zu tragen. Kinder öffentlich nicht nur in beherrscht-gemässigtem Ton anzusprechen, gegenüber der Lehrperson zuzugeben, dass man überfordert ist, und damit anderen Eltern den Spiegel vorzuhalten.

Nur so können wir der heranwachsenden Generation mit auf den Weg geben, dass man eigentlich ganz vieles im Griff hat – auch wenn man letztlich immer alles falsch macht.

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1 Comment
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Günther Zwahlen

Bringt irgend ein Elternpaar diese «Parentsshow perfect» hin, ohne dass min. die halbe Familie Medikamente oder Schlimnmeres nimmt?

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