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Fachärztin Petra Stute:

Fachärztin Petra Stute: "Die Menopause ist keine Krankheit!"

Die Wechseljahre betreffen jede Frau – doch noch immer fehlt es an Wissen, guter Beratung und flächendeckender medizinischer Versorgung. Die Menopause-Expertin Prof. Dr. med. Petra Stute erklärt, warum Beschwerden häufig unterschätzt werden, welche Behandlungen helfen und weshalb die Schweiz dringend eine nationale Menopausen-Strategie braucht.

annabelle: Petra Stute, die Wechseljahre werden zunehmend enttabuisiert, in den Medien, in Podcasts, in Comedyprogrammen, besonders aber auf Social Media. Wie entspannt wird mittlerweile unter Frauen selbst darüber geredet?
Petra Stute: Folgt man den Diskussionen in den sozialen Medien, könnte man meinen, das Thema sei längst im Mainstream angekommen. Tatsächlich erreicht diese Diskussion aber nur einen Teil der Frauen. Viele wissen noch immer nicht, welche Beschwerden mit der hormonellen Umstellung zusammenhängen, oder dass sie bereits in der Perimenopause sind. Hinzu kommt eine zunehmende Polarisierung. Manche lehnen zum Beispiel Hormone grundsätzlich ab, andere sehen sie als einzige Lösung. Beides greift zu kurz. Es gibt nicht den einen richtigen Weg. Gute Menopausenmedizin bedeutet, gemeinsam mit jeder Frau die individuell passende Behandlung zu finden. Dafür braucht es Wissen, Offenheit und gegenseitigen Respekt.

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"Wir haben noch nicht gelernt, so selbstverständlich über die Wechseljahre zu sprechen wie über Schwangerschaft oder Verhütung"

Wie ist diese zunehmende Polarisierung zu erklären?
Ich glaube, wir haben noch nicht gelernt, so selbstverständlich über die Wechseljahre zu sprechen wie über Schwangerschaft oder Verhütung. Deshalb werden persönliche Erfahrungen häufig verallgemeinert: «Mir hat das geholfen, also muss es für alle richtig sein.» Dabei wäre die viel hilfreichere Haltung: «Das hat dir geholfen – schön. Für mich passt vielleicht etwas anderes.» Genau diese Offenheit wünsche ich mir. Denn die Wechseljahre verlaufen bei jeder Frau unterschiedlich.

Wenn es schwierig ist, über ein Thema zu reden, bleiben in der Regel auch blinde Flecken. Welche halten sich in Bezug auf die Wechseljahre besonders hartnäckig?
Der grösste Irrtum ist wahrscheinlich, dass Wechseljahre nur Hitzewallungen bedeuten. Tatsächlich können sich die hormonellen Veränderungen ganz unterschiedlich bemerkbar machen – etwa durch Schlafstörungen, Gelenk- oder Muskelschmerzen, Stimmungsschwankungen, Konzentrationsprobleme oder vaginale Beschwerden.

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"Man darf Beschwerden nie vorschnell allein den Hormonen zuschreiben"

Weitere blinde Flecken sind psychische Störungen, etwa Angstzustände und depressive Verstimmungen, die mit den Wechseljahren aufkommen können. Viele Frauen sind in dieser Lebensphase jedoch häufig auch durch Beruf und Familie stark belastet, was die psychische Gesundheit ebenfalls beeinträchtigt. Was ist nun das Huhn, und was das Ei?
Das herauszufinden, ist die Herausforderung. Berufliche Verantwortung, Familie oder die Pflege der Eltern kosten viel Kraft. Deshalb darf man Beschwerden nie vorschnell allein den Hormonen zuschreiben. Umgekehrt dürfen hormonelle Veränderungen aber auch nicht übersehen werden. In der Praxis bedeutet das deshalb, immer das Gesamtbild anzuschauen: Liegt eine Depression oder Angststörung vor? Werden bestehende Beschwerden durch die hormonelle Umstellung verstärkt? Oder spielen mehrere Faktoren zusammen? Häufig ist die Antwort nicht entweder oder, sondern sowohl als auch.

Sie forschen unter anderem zu Schlafstörungen in den Wechseljahren. Haben Sie bereits erste Erkenntnisse gewinnen können?
Wir rekrutieren derzeit noch Teilnehmerinnen, deshalb liegen noch keine Ergebnisse vor. Die Studie beschäftigt sich mit einer Frage, die für viele Frauen sehr wichtig ist: Warum schlafen so viele in den Wechseljahren schlechter? Meistens denkt man da sofort an Hitzewallungen. Die spielen sicher eine Rolle, erklären aber längst nicht alle Schlafprobleme. Deshalb vergleichen wir erstmals die Wirkung einer Hormontherapie mit der kognitiven Verhaltenstherapie für Insomnie, die international als Standardtherapie gilt. Ich bin selbst sehr gespannt, welche Frauen von welcher Behandlung am meisten profitieren.

Worauf tippen Sie?
Ich vermute, dass Frauen mit hormonell bedingten Schlafstörungen besonders von einer Hormontherapie profitieren könnten. Ob das insgesamt zutrifft, wird unsere Studie zeigen.

"Chronische Schlafstörungen beeinträchtigen nicht nur die Lebensqualität, sondern erhöhen langfristig auch das Risiko für Depressionen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen"

Konkret: Wie ausgeprägt sind Schlafstörungen in den Wechseljahren?
Sehr häufig. In der Perimenopause berichtet etwa jede zweite bis dritte Frau über Schlafprobleme, vor allem über Durchschlafstörungen. Viele schlafen problemlos ein, wachen aber nachts immer wieder auf und fühlen sich morgens nicht erholt. Das ist keineswegs eine Bagatelle. Chronische Schlafstörungen beeinträchtigen nicht nur die Lebensqualität, sondern erhöhen langfristig auch das Risiko für Depressionen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Deshalb sollten sie ernst genommen und gezielt behandelt werden.

Spielen bei Schlafstörungen, wie bei psychischen Störungen, nicht auch die Lebensumstände eine Rolle und weniger die Hormone?
Natürlich spielen die Lebensumstände eine wichtige Rolle. Stress, familiäre Belastungen oder Schmerzen können den Schlaf erheblich beeinträchtigen. In der Sprechstunde geht es deshalb darum, genau hinzuhören: Wann haben die Beschwerden begonnen? Welche Symptome kommen dazu? Gibt es Hitzewallungen? Erst wenn man das Gesamtbild kennt, lässt sich abschätzen, welchen Anteil hormonelle Veränderungen und welchen Anteil andere Faktoren haben.

"Das Gespräch mit der Patientin ist der wichtigste Teil der Diagnostik"

Welches sind Indizien dafür, dass eine Schlafstörung durch die Wechseljahre verursacht wird?
Hitzewallungen sind natürlich ein wichtiger Hinweis. Viele Frauen beschreiben aber auch, dass sie plötzlich einen völlig anderen Schlaf haben als früher: Sie schlafen leichter, wachen bei jedem Geräusch auf und fühlen sich am nächsten Morgen wie zerschlagen. Progesteron fördert normalerweise einen erholsamen Schlaf. Nimmt seine Produktion ab, kann sich das bemerkbar machen. Trotzdem gibt es leider keinen einzelnen Test, der uns die Ursache eindeutig zeigt. Deshalb bleibt das Gespräch mit der Patientin der wichtigste Teil der Diagnostik.

Und wahrscheinlich ist es letztlich doch multifaktoriell, oder?
Ja, fast immer. Deshalb gibt es auch nicht die eine Behandlung für alle Frauen. Entscheidend ist herauszufinden, welche Faktoren im individuellen Fall den grössten Anteil haben. Erst dann können wir die Therapie gezielt darauf abstimmen.

Mit der letzten Menstruation, also der Menopause, soll alles vorbei sein. Stimmt das?
Zum Teil, ja. Viele Frauen haben nach der hormonellen Umstellung wieder deutlich weniger Beschwerden

Doch dann folgt gleich die Postmenopause.
Genau. Die Menopause ist kein Endpunkt, sondern ein Übergang in einen neuen Lebensabschnitt. Tatsächlich beginnt dann die Postmenopause – eine Lebensphase, in der Themen wie Knochengesundheit, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Stoffwechsel zunehmend an Bedeutung gewinnen. Gerade deshalb sind die Wechseljahre auch eine Chance, die Gesundheit der zweiten Lebenshälfte aktiv zu gestalten. Ich spreche deshalb gerne von einem «Window of Opportunity» – also einem idealen Zeitpunkt, die Weichen für ein gesundes Älterwerden zu stellen.

Wie stellt man diese Weichen am besten?
Am besten mit einer persönlichen Standortbestimmung: Wie bewege und ernähre ich mich, wie schlafe ich, und welche individuellen Risiken bringe ich mit? Die wichtigsten Stellschrauben sind regelmässige Bewegung – insbesondere Krafttraining –, eine ausgewogene Ernährung, guter Schlaf, wenig Alkohol und der Verzicht auf Nikotin. Ebenso wichtig ist die Teilnahme an empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen, etwa zur Früherkennung von Brust- und Gebärmutterhalskrebs sowie zur Kontrolle von Blutdruck, Blutzucker, Cholesterin und Knochengesundheit. Und: Wechseljahresbeschwerden sollte man nicht einfach hinnehmen, sondern individuell behandeln lassen.

Inwieweit sind die Wechseljahre mittlerweile im Praxisalltag von Gynäkolog:innen und Hausärzt:innen angekommen?
Das Interesse ist erfreulicherweise deutlich gestiegen. Wechseljahre sind heute viel häufiger Thema auf gynäkologischen, hausärztlichen und psychiatrischen Kongressen als noch vor wenigen Jahren. Bis dieses Wissen überall im Praxisalltag ankommt, braucht es allerdings Zeit. Doch viele Ärzt:innen erkennen inzwischen, wie relevant das Thema ist.

"Die Wechseljahre sind kein Nischenthema, sondern Teil der öffentlichen Gesundheit"

Sie machen sich für eine nationale «Menopausen-Strategie» stark. Was würde sie beinhalten?
Die Wechseljahre betreffen jede Frau direkt und rund jede zweite Person indirekt; das heisst, die Männer, die als Partner, Söhne, Kollegen oder Arbeitgebende mit Frauen in den Wechseljahren zu tun haben. Deshalb sind die Wechseljahre kein Nischenthema, sondern ein wichtiger Teil der öffentlichen Gesundheit. Eine wirksame nationale Menopausen-Strategie braucht aus meiner Sicht vier Säulen: Erstens die Information der Bevölkerung, zweitens die Aus- und Weiterbildung medizinischer Fachpersonen, drittens einen flächendeckenden Zugang zu guter Versorgung und viertens mehr Forschung.

Die Grundlage wäre aber erst mal eine Informationskampagne, oder?
Mir geht es nicht nur um Informationskampagnen. Jede Frau sollte wissen, was in ihrem Körper passiert, und an wen sie sich bei Beschwerden verlässlich wenden kann. Gleichzeitig müssen Ärzt:innen und andere Gesundheitsfachpersonen besser auf dieses Thema vorbereitet werden. Und wir brauchen mehr Forschung, damit wir Frauen künftig noch individueller beraten und behandeln können. Ich würde mir wünschen, dass die Menopause in zehn Jahren genauso selbstverständlich Teil der Gesundheitsversorgung ist wie Schwangerschaft oder Osteoporose.

Wer soll diese Kampagnen lancieren? Bund, Kantone oder medizinische Fachgesellschaften?
Ich sehe das als gemeinsame Aufgabe. Medizinische Fachgesellschaften verfügen über die fachliche Expertise, Bund und Kantone können die öffentliche Gesundheit fördern und wichtige Rahmenbedingungen schaffen. Entscheidend ist nicht, wer den ersten Schritt macht, sondern dass alle Beteiligten gemeinsam handeln.

Sie betonen die Wichtigkeit der medizinischen Ausbildung in Bezug auf die Menopausenmedizin. Wie ist denn der Stand der Ausbildung heute?
Die Weiterbildung in der Gynäkologie ist nach wie vor stark von Geburtshilfe und operativer Gynäkologie geprägt. Das ist selbstverständlich wichtig. Gleichzeitig verbringen Ärzt:innen häufig zu wenig Zeit in der gynäkologischen Endokrinologie und der Menopausenmedizin. Dabei begleiten sie Frauen heute oft mehrere Jahrzehnte nach der Menopause. Aus diesem Grund sollte dieses Wissen ein selbstverständlicher Bestandteil jeder gynäkologischen Ausbildung sein und nicht davon abhängen, ob eine Klinik gerade entsprechende Ressourcen hat.

"Heute sehen wir Wartezeiten von bis zu eineinhalb Jahren für eine spezialisierte menopausenmedizinische Sprechstunde"

Grundlegend ist ja, dass Frauen überhaupt Zugang zu entsprechender Beratung und Behandlung haben.
Ganz genau. Heute sehen wir Wartezeiten von bis zu eineinhalb Jahren für eine spezialisierte menopausenmedizinische Sprechstunde. Das zeigt, dass der Bedarf deutlich grösser ist als das derzeitige Angebot.

Eineinhalb Jahre für eine Erstbehandlung?
Ja. Und genau deshalb brauchen wir neue Versorgungsmodelle. Wenn wir Frauen früher erreichen und die verschiedenen Gesundheitsberufe besser zusammenarbeiten, können wir die Versorgung deutlich verbessern. Unser Ziel sollte sein, dass keine Frau monatelang mit belastenden Beschwerden warten muss, bevor sie kompetente Unterstützung erhält. Mir ist aber wichtig zu betonen: Nicht jede Frau braucht ein spezialisiertes Zentrum. Die meisten Frauen sollten wohnortnah eine fundierte Basisberatung bekommen können. Spezialzentren braucht es vor allem für komplexe Fragestellungen. Ein gutes Versorgungssystem besteht deshalb aus mehreren Ebenen – von der Hausarztpraxis über die Gynäkologie bis hin zu spezialisierten Zentren.

Sie plädieren auch dafür, das Thema Wechseljahre in der Arbeitswelt zu implementieren. Wäre dieser Schritt ebenso Teil einer nationalen Strategie?
Unbedingt. Die Menopause ist keine Krankheit, sondern ein natürlicher Lebensabschnitt. Viele Frauen haben kaum Beschwerden, andere erleben Symptome, die ihren Alltag erheblich beeinträchtigen können. Deshalb geht es darum, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem offen über gesundheitliche Herausforderungen gesprochen werden kann und Betroffene Unterstützung erhalten, wenn sie sie brauchen. Davon profitieren alle: die Mitarbeitenden, die Unternehmen und letztlich auch unsere Volkswirtschaft.

Was müsste denn ein Betrieb unternehmen, um seinen Mitarbeiterinnen in Bezug auf die Wechseljahre gerecht zu werden?
Der erste Schritt ist Wissen. Wenn Mitarbeitende verstehen, was die Wechseljahre sind, kommt es zu weniger Missverständnissen und Tabus. Gleichzeitig signalisiert ein Unternehmen damit: Dieses Thema darf angesprochen werden. Im nächsten Schritt lohnt es sich zuzuhören. Was wünschen sich die Mitarbeitenden? Manchmal sind es erstaunlich einfache Dinge: flexible Kleidungsvorschriften, Zugang zu Trinkwasser, angenehmere Raumtemperaturen oder mehr Flexibilität bei Arbeitszeiten. Solche Massnahmen helfen häufig nicht nur Frauen in den Wechseljahren, sondern verbessern das Arbeitsumfeld insgesamt.

Die beiden GLP-Politikerinnen, Nationalrätin Kathrin Bertschy und Ständerätin Tiana Angelina Moser, haben im Juni ein Postulat zur Frauengesundheit in der Lebensmitte eingereicht. Darin fordern sie verstärkte Massnahmen im Umgang mit der Perimenopause und Menopause, um die Gesundheit von Frauen zu fördern und krankheitsbedingte Absenzen am Arbeitsplatz zu reduzieren. Wie beurteilen Sie diesen Vorstoss?
Ich freue mich sehr darüber. Der Vorstoss zeigt, dass die Wechseljahre zunehmend als gesellschaftliches Gesundheitsthema wahrgenommen werden. Diese Entwicklung beobachten wir übrigens auch international. Ich durfte in diesem Frühjahr im Europäischen Parlament über Menopause sprechen. Allein die Tatsache, dass das Thema dort diskutiert wird, zeigt, wie stark das Bewusstsein in den letzten Jahren gewachsen ist.

Welche Länder gehören bezüglich Menopausenmassnahmen zu den Vorreitern?
Grossbritannien, zum Beispiel. Dort beschäftigen sich viele Unternehmen seit Jahren aktiv mit dem Thema Menopause und entwickeln entsprechende Unterstützungsangebote. Ab Frühling 2027 wird es für Betriebe mit mehr als 250 Mitarbeitenden Pflicht, eine Strategie zum Thema Gender Pay Gap und Menopause auszuarbeiten. Wie gesagt, auch in der Schweiz nimmt das Interesse zu. Jetzt gilt es, dieses Interesse in konkrete Massnahmen zu übersetzen.

"Die meisten Frauen bleiben während der Wechseljahre voll leistungsfähig"

Besteht nun aber nicht die Gefahr, dass solche Debatten bestehende Vorurteile gegenüber Frauen verstärken und Führungskräfte davon abhalten, Frauen einzustellen, weil sie befürchten, diese seien häufiger krankheitsbedingt abwesend?
Diese Sorge nehme ich ernst. Deshalb ist es so wichtig, die Diskussion faktenbasiert zu führen. Es geht nicht darum, Frauen als weniger leistungsfähig darzustellen oder sie zu stigmatisieren. Im Gegenteil: Die meisten Frauen bleiben während der Wechseljahre voll leistungsfähig. Aber diejenigen mit ausgeprägten Beschwerden sollten Unterstützung erhalten. Gerade Arbeitgeber profitieren davon. Denn unbehandelte Beschwerden führen häufiger zu Fehlzeiten, Produktivitätsverlust oder sogar zum vorzeitigen Ausscheiden aus dem Berufsleben.

In Deutschland, Österreich und der Schweiz sind zwischen 2023 und 2025 die MenoSupport-Studien durchgeführt worden – die ersten grossen wissenschaftlichen Untersuchungen zu den Auswirkungen der Wechseljahre auf den Arbeitsplatz. Was haben sie ergeben?
Die Ergebnisse waren eindrücklich. In unserer Schweizer Studie mit über 2200 berufstätigen Frauen berichtete mehr als jede dritte Teilnehmerin, ihr Arbeitspensum reduziert, den Arbeitsplatz gewechselt oder eine berufliche Auszeit genommen zu haben – aufgrund von Wechseljahresbeschwerden. Knapp sechs Prozent liessen sich sogar vorzeitig pensionieren.

"Einen natürlichen Lebensabschnitt anzuerkennen bedeutet nicht, ihn zu pathologisieren"

In Spanien wurde 2023 eine gesetzliche Regelung für menstruationsbedingte Arbeitsausfälle eingeführt. Auch in der Schweiz wird über einen Menstruationsurlaub diskutiert. Jetzt kommt die nationale «Menopausen-Strategie» auf den Tisch. Im Prinzip werden Frauen praktisch ihr Leben lang pathologisiert. Wie ist Ihre Meinung dazu?
Ich glaube, wir verwechseln hier manchmal zwei Dinge: Einen natürlichen Lebensabschnitt anzuerkennen bedeutet nicht, ihn zu pathologisieren. Aber wenn eine natürliche Veränderung Beschwerden verursacht, sollten wir darüber genauso selbstverständlich sprechen und Hilfe anbieten wie bei jeder anderen gesundheitlichen Herausforderung.

Auch Männer kommen in die Wechseljahre, in die sogenannte Andropause. Verläuft sie ähnlich einschneidend wie die Wechseljahre der Frau?Bei Männern gibt es keine eigentlichen Wechseljahre wie bei Frauen. Der Testosteronspiegel nimmt meist langsam über viele Jahre ab. Deshalb verläuft dieser Prozess deutlich gradueller und unterscheidet sich grundlegend von der hormonellen Umstellung der Frau.

"Ich wünsche mir, dass Frauen den Wechseljahren nicht mit Angst, sondern mit Wissen begegnen"

Was ist für Sie die grösste Fehlinformation über die Wechseljahre?
Der grösste Irrtum ist, dass die Wechseljahre erst mit etwa fünfzig beginnen und Frauen Beschwerden einfach hinnehmen müssen. Beides stimmt nicht. Die hormonelle Umstellung beginnt oft schon Jahre früher, sodass bereits Ende dreissig oder Anfang vierzig erste Veränderungen auftreten können. Aber heute lassen sich viele Beschwerden wirksam behandeln oder sogar verhindern. Ich wünsche mir, dass Frauen den Wechseljahren nicht mit Angst, sondern mit Wissen begegnen. Denn Wissen schafft Selbstbestimmung. Wer versteht, was im Körper passiert, kann informierte Entscheidungen treffen und diese Lebensphase aktiv gestalten – statt sie nur auszuhalten.

Zur Person: Prof. Dr. med. Petra Stute (54) ist Stellvertretende Chefärztin und Leitende Ärztin des Zentrums für Gynäkologische Endokrinologie und Menopause an der Abteilung für Geburtshilfe und Gynäkologie des Inselspitals Bern. Zudem ist sie Präsidentin der European Menopause and Andropause Society (EMAS) sowie Gründerin und Präsidentin des Vereins MenoQueens.

MenoWorld - Das erste Schweizer Festival rund um die Wechseljahre findet am 20. September 2026 im Volkshaus Zürich statt. Mit dem Code ANNABELLE-MENO erhalten alle annabelle-Leserinnen 20 % Rabatt auf Tagestickets, solange das Kontingent reicht. Gültig bis 31. August 2026. Tickets gibt es hier.

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